Habe ich das Schreiben verlernt?
Manche werden es mitbekommen haben. Seit Kurzem taumele nun auch ich durchs Hamsterrad der Lohnarbeit. Im Zuge dessen ist es mir sporadisch vergönnt, längere Texte zu schreiben. Dabei musste ich aber mit Erschrecken feststellen, dass mein (Recht-) Schreibtalent abhanden gekommen, oder zumindest stark eingerostet ist. Korrekte Wörter, vollständige Sätze, verständliche Grammatik? Alles nur durch Autokorrektur und Google möglich.
Womöglich liegt es am Hazeschaden, Late-onset Legasthenie oder einer undiagnostizierten fatalen Hirnkrankheit. Fairerweise muss ich aber auch zugeben, dass ich in den letzten Jahren das Schreiben grundsätzlich vernachlässigt habe. Zu einfach ist inzwischen das Outsourcing trivialer und langweiliger Schreibaufgaben an eines der reichlichen LLMs. Zuletzt schrieb ich einen längeren, vollständigen Text zu Schulzeiten. Und die sind ja nun auch schon seit einigen Jahren vorbei. Gefahr laufend meine Hypochondrie zu enttäuschen, ist das beste Antidot wahrscheinlich einfach Übung.
Hätte man mich vor ein paar Jahren nach meinen Hobbies gefragt, wäre eine meiner Antworten “Schreiben” gewesen. Auch damals war das sicherlich eine Übertreibung, um meine tatsächlichen Freizeitbeschäftigungen (schlecht Fortnite spielen, viel YouTube schauen) zu cachieren. Außerordentlich viel schrieb ich nie, aber immerhin mehr als jetzt. Einmal erhielt eine meiner Kurzgeschichten, die ich bei einem Schreibwettbewerb eingereicht hatte sogar eine Erwähnung im Jahresbericht der Schule. Allerdings ungenannt. Ich hatte vergessen meinen Namen anzugeben.
Wie motiviere ich mich jetzt dazu das Schreiben aus freien Stücken zur Gewohnheit zu machen? Vielleicht, indem ich die Anonymität verlasse und im Anno Domini 2026 einen gottverdammten Blog starte! Na klasse, herzlich willkommen.